Faces of Frankfurt – Gesichter einer Buchmesse

von Susanne Tiarks

Auf der Frankfurter Buchmesse werden Geschäfte gemacht, Netzwerke gepflegt, Kontakte geknüpft. Man sieht sich nach langem Mailkontakt vielleicht zum ersten Mal, lernt das Gesicht zu einer bekannten Stimme kennen oder klopft bei ersten Gesprächen die gegenseitige Chemie ab. Dieses Jahr lag für mich der besondere Charme der Buchmesse in den Begegnungen: erwartete und unerwartete, spannende, lustige und herzerfrischende. Facebook ohne Computer.

Netzwerken von Angesicht zu Angesicht

© Fotolia/NL Shop

Fakten & Zahlen

Bislang ist Willegoos auf der Buchmesse nur zu Besuch, ein eigener Stand war bei dem bislang stark regional geprägten Kinderbuchprogramm noch nicht sinnvoll – shoppende Buchhändler von der Nordsee sind da eher die Seltenheit und Lizenzen von Mein Stadt-Wimmelbuch Dresden auf Koreanisch? Genau, Fehlanzeige. Mit der Erweiterung der Programmsparten auf nicht-regionales Erzählendes Kinderbuch, Sachbuch und Bilderbuch mit Lizenzen aus anderen Ländern wird das nun langsam anders.

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Diesmal habe ich keine Fotos mitgebracht, aber das Netz lässt uns nicht hängen: Fotoimpressionen bei Lesen.net.

Die offizielle Bilanz der Frankfurter Buchmesse wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: Mit mehr als 140.000 Fachbesuchern tummelte man sich 2015 auf der Frankfurter Buchmesse, über 275.000 Besucher insgesamt kamen an allen Messetagen vom 14. bis 18. Oktober 2015. Veranstalter und mehr als 2.700 Aussteller aus über 100 Ländern lockten mit etwa 4.000 Veranstaltungen zum weltgrößten Branchentreff. Und in diesem Wust von Aktivitäten und Menschen ist es die persönliche Begegnung, die häufig den Funken überspringen lässt.

Begegnungen

Eine neue Illustratorin – Zwei Croissants bitte!

© Fotolia/Marcel Schauer

Eine potenzielle neue Illustratorin treffe ich am Donnerstag schon am Bahnhof im Frankfurt. An ihren Ohren baumeln lustige Bügelperlen-Ohrringe, die ihre dynamische Besitzerin ordentlich zum Schwingen bringt. Sie hat Spielmitteldesign studiert (was es alles gibt, da habe ich wieder was gelernt fürs Leben), illustriert Kinderbücher, schreibt selbst und kennt sich mit Kinderfilm-Animation aus. Zurzeit werden bei ihr u.a. Tische, Betten und Croissants bestellt, die – von ihr gezeichnet – in diverse Animationen von Kindersendungen eingebaut werden. Eine Illustratorin als Requisiteur sozusagen. Spannend! Ihre Mappe mit Illustrationen überzeugt, der Funke springt auch von Mensch zu Mensch über. In 2016 stehen neue Wimmelbücher auf dem Programm. Also, Daumen drücken, dass auch die weniger spannenden Seiten eines Illustratoren-Vertrags passen.

Autorin Susanne Scheffels – Darf es etwas mehr sein?

Unsere Autorin Susanne Scheffels lebt (auch) mitten in Frankfurt, da sage ich am Donnerstag natürlich guten Tag. Zwei neue Mitmachbücher wird es in 2016 von ihr geben, da werden Zeitpläne gewälzt.

 

 

Am Wegesrand – Herrscher der Haken

Am nächsten Tag geht’s auf der Buchmesse zunächst zur Garderobe hinter dem Haupteingang. Da wuseln zwei Herren geschäftig hin und her und arbeiten die lange Schlange derer ab, die tropfende Regenschirme und Mäntel in ihrer Obhut lassen möchten. Es sollen in den Garderoben auch schon Säbel abgegeben worden sein und Autoren scheinen den Lesegeschmack der Herrscher der Haken in ihre Buchplanung aufzunehmen. Schön oder? Das Feuilleton der FAZ hat mal eine Hospitantin losgeschickt, um die Seelenlage der Garderobieren zu erforschen.

Baltische Bücherperlen und schöne Hosen

Mit Kätlin Kaldmaa vom Estnischen Kinderliteraturzentrum spreche ich bei Kaffee Nr. 1 (sehr gut und mit Estonia boothestnischem Naschwerk genossen ein unschlagbarer Kickstart in den Messetag). Es geht um Neuerscheinungen und mögliche Präsentationen auf Messen und Festivals. Think big.

Die Litauer Agentin vom Litauischen Kulturinstitut sucht vergeblich die Kataloge, die sie mir eigentlich geben wollte. Es wird geklaut! Ganze 5-10% des Bücherbestands an den Messeständen werden von Besuchern mitgenommen. Aber es gibt auch die Meinung, nur geklaute Bücher seien gute Bücher (Reinhold Joppich bei swr2). Na, dann werden die litauischen Bücher wohl gut sein. Muss ich eben auf Post warten.

© Fotolia/Dessauer

Zwischen den Gesprächsterminen stehe ich sinnierend an der Rolltreppe in Halle 5 und überlege, wo ich ein wenig stöbern möchte, als ein Herr von den Wandeltreppen springt und mir mit schwungvoller Geste zuruft: „Schöne Hosen!!!“ Made my day. Wir sollten viel öfter Komplimente machen. Nehme ich mir fest vor.

Bei den Letten steige ich auf Wasser um und lausche den begeisterten Inhaltsbeschreibungen von Alīse, Kristīne und Juta aus Riga, die ihre Lieblingsbücher vorstellen. Oh, Perlen! Man darf sich überraschen lassen, ob die eine oder andere zu Willegoos ins Programm schlüpft.

Unbekannten Hände schütteln und Autoren mit rheinischem Frohsinn

Nächste Verabredung mit einem Autoren in der Illustrator’s Corner der Illustratoren Organisation IO. Mmh, wir haben gar kein Erkennungszeichen ausgemacht, fällt mir da auf. Und so spreche ich einen ebenfalls suchend um sich blickenden Herrn an. Fehlanzeige. Ist es dann doch der Anzugträger mit dem neckischen Tüchlein in der Brusttasche? Er reicht mir mit großer Geste die Hand, schüttelt sie kräftig und meint dann, er sei zwar nicht der Gesuchte, aber es sei schön, mich kennen zu lernen. Potztausend, das setzt dem Hosenkompliment jetzt noch das i-Tüpfelchen auf.

Bei der IO gibt’s lausigen Kaffee Nr. 2 in einem fiesen Plastikbecher. Umgekehrt proportional zur Kaffeequalität verläuft allerdings das Gespräch mit dem gesuchten Autoren, der sich dank eines Handyanrufs schließlich in unmittelbarer Nähe auffinden ließ. Eine amüsante Geschichte hat er im Gepäck und der rheinische Frohsinn des Schreibers blinkt dem Zauberer, um den es geht, aus jedem Knopfloch. Vielversprechend!

Druck made in Sachsen

Mein letzter Termin führt mich zu Sachsendruck, wo alle Pappbilderbücher von Willegoos gedruckt werden. Pläne werden besprochen, Handmuster begutachtet. Willegoos hat da auf jeden Fall für 2016 wieder einiges in der Pipeline. Die Vertriebsleiterin strahlt.

Bei Messen geht es um Geschäft. Aber was eine Buchmesse so erlebenswert macht, sind die Begegnungen. Wie war es bei Ihnen? Erzählen Sie doch mal!

Jede Bekanntschaft, jede sympathische Begegnung ist ein Gewinn.“
Ricarda Huch (1864-1947)

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