Hier wird umweltgerecht gedruckt!

Berlin, den 13.10.2017 um 11 Uhr: Die öffnet ihre Tore. Zwei Tage lang kann sich hier jeder über Nachhaltigkeit in sämtlichen Lebensbereichen informieren. Von erneuerbaren Energien bis hin zu Biozahnbürsten ist alles vertreten. Schnell wird deutlich, welche Rolle Nachhaltigkeit inzwischen in vielen Wirtschaftszweigen spielt.

Auch die Buchbranche stellt hier keine Ausnahme dar. Printmedien leben von Papier und Druckerzeugnissen. Genau hier wird angesetzt: umweltgerechte Buchherstellung lautet das Stichwort. Einige Druckereien haben diese Nische bereits erkannt und sich darauf spezialisiert, die bei ihnen in Auftrag gegebenen Schriftstücke nachhaltig zu produzieren – so auch die Print Pool GmbH mit Sitz in Hessen, welche als einzige Druckerei auf der Messe vertreten war. Hier lassen sich Werbematerialien wie Flyer und Plakate umweltgerecht herstellen.

Foto Matthias Simon

Matthias Simon

In unserem Interview stand uns Geschäftsführer Matthias Simon Rede und Antwort:
 

Seit wann betreiben Sie eine Ökodruckerei?

Gegründet haben wir uns 1996 als konventionelle Produktion, Anfang 2006 haben wir uns mit der umweltfreundlichen Produktion befasst: wo kommt denn unser Papier her, welche Rohstoffe verwenden wir und welche Inhalte; was können wir verbessern? Es sind ja auch noch andere Kriterien, die mit in alle Überlegungen spielen: Wenn wir keinen Isopropylalkohol mehr einsetzen (damals noch – reduzieren), verbessern wir die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter.. eine wichtige Arbeitsschutzmaßnahme.

 

Mit welcher Überzeugung haben Sie sich gegen den konventionellen Druck entschieden?

In den Anfängen wollten wir unsere Kunden noch wählen lassen zwischen konventioneller und „Öko“–Produktion, das haben wir sehr schnell wieder verworfen. Das war kein Fisch und kein Fleisch, entweder stellen wir ganz um oder gar nicht … Also haben wir uns komplett darauf eingestellt, alles zu verändern. Wir waren 2007 einer der ersten Druckbetriebe die FSC-zertifiziert wurden, Biodruckfarbe war noch ein Fremdwort bei den Lieferanten.

 

Der Begriff „Öko“ ist oftmals mit vielen Vorurteilen belastet. Hatten Sie deshalb mit Startschwierigkeiten zu kämpfen?

Ja das war schon lustig. Die Druckindustrie steht ja nicht gerade für grünes Denken – da zählt immer nur der Preis. Biodruckfarbe und Ökopapier, warum das denn? Ich will ja meine Visitenkarten nicht essen … O-Ton von Kunden …

Wir verarbeiten mit dem Papier einen Sekundärrohstoff. Den wenigsten Menschen ist klar, dass die Broschüre vorher ein Baum war, und noch schwieriger wird es, wenn man dann fragt, wo der Baum gestanden hat und ob für ihn nach dem Abholen auch ein neuer gepflanzt wurde. Der Gedanke der Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft und ist nicht neu, aber wenn der Regenwald abgeholzt wird, ist das eben weit weg und bei uns ist es beim Sonntagsspaziergang noch schön grün.

 

Haben Sie das Gefühl, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewonnen hat?

Ja sehr! Das Bewusstsein wächst jedes Jahr. Auch wenn der Anteil an umweltfreundlichen Druckereien wirklich klein ist, wächst die Nachfrage. Unternehmen, die sich in welcher Form auch immer mit der Umwelt befassen oder nachhaltig produzieren, suchen Lieferanten, die zu ihnen passen. Das fängt bei der Produktion von Windenergieanlagen an und hört bei den Bio-Imkern auf, ob es nun Nachhaltigkeitsberichte oder Etiketten für das Honigglas sind.

  

Wo sehen Sie – im Buchdruck sowie allgemein – noch Grenzen der Nachhaltigkeit? Wie ließen sich diese Ihrer Meinung nach überwinden?

Grenzen gibt es nicht wirklich. Von den bestehenden Druckereien befasst sich vielleicht 1% mit der umweltfreundlichen Produktion – da ist noch viel Luft nach oben! Die meisten Bücher werden übrigens nicht in Deutschland produziert, sondern in China, und selbst in Fernost sind Druckereien FSC-zertifiziert. Das Bewusstsein wächst und eine nachhaltige Produktion wird keinen Massenmarkt ansprechen. Wir sprechen ja von Verbrauchsgütern, wenn wir umweltfreundliche Broschüren produzieren mit Recycling- oder FSC-zertifiziertem Papier, fein ohne Isopropylalkohol, mit Biofarben auf Pflanzenölbasis und Ökostrom gedruckt – dann können Sie es weder sehen noch schmecken, riechen ja. Anders als bei einem Bioprodukt: das besser schmeckt als vom Discounter … es wird immer eine Einstellungsfrage bleiben.   

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Auch wenn auf der Green World Tour schon allerlei zu sehen war: Wir bei Willegoos hoffen, dass das Bewusstsein für umweltgerechte Produkte in den nächsten Jahren noch weiter wachsen wird und auch nachhaltig produzierte Bücher so viele Abnehmer finden wie es jetzt schon Bio-Obst oder fair hergestellte Kleidung tun – denn jeder von uns macht einen Unterschied!

 

 

Und wer mehr über die Theorie des nachhaltigen Druckens wissen möchte, kann in unserem Beitrag „Green Publishing – Was steckt dahinter?“ nachlesen.

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