Leipziger Messesplitter 2015

Kleine und große Bücherfans auf der Leipziger Buchmesse

Kleine und große Bücherfans auf der Leipziger Buchmesse

von Susanne Tiarks | 19. März 2015

Ein Besuch auf der Leipziger Buchmesse gehört natürlich auch bei Willegoos zum Pflichtprogramm, zu finden unter der Kategorie „Angenehme Obliegenheiten“. Und um es gleich vorweg zu nehmen, Willegoos hatte dort auch 2015 keinen Messestand. Warum, erzähle ich gleich.

Der Run auf die MesseEin Trip nach Leipzig ist mit dem ICE von Berlin aus ein Katzensprung, es reicht kaum, um Mails abzuarbeiten und Zeitung zu lesen. Schwupp, schon werde ich am Messebahnhof mit Hunderten, ach, was sag‘ ich, Tausenden anderer Buchbegeisterter ausgespuckt. Von dort schiebe ich also geduldig im Schwarm erwartungsfroher Gesichter in Richtung Messehallen und kreuze dabei auch schon die ersten exotischen Besucher. Dieses Jahr hat die Manga Convention für ihre Fans eine eigene Halle. Als ich dort vorbeikomme, staExotische Besucherune ich nicht schlecht über die Beschriftung, Falschdie nur für mich dort angebracht zu sein scheint …

Ja, also ich bin hier falsch.Eingang

Hier geht’s lang: Eingang für Fachbesucher. Ein kleinerer Besucherstrom trennt sich vom großen Pulk. Onlineticket gezückt, Mantel abgeworfen, Rolltreppe hochgeschunkelt und – eintauchen! Es ist rappelvoll, die ersten Schulklassen schieben mich vor sich her durch Halle 2 mit Kinder- und Jugendliteratur, mit Schulbuchverlagen und diversen Meet-and-Greet-Flächen wie Lesebude, Familiencafé, Bloggerlounge etc.

Lesebude

MessestandMein erster Anlaufpunkt ist ein Café im Hallendurchgang, wo ich mich mit einer Buchhändlerin treffe, die ich von Facebook kenne. Live und in Farbe ist wirklich sehr schön und wir tauschen uns intensiv aus (Fotografieren habe ich vor lauter Schnacken vergessen). Der Blick auf das Buchhändlerdasein im Allgemeinen und uns Verlage im Besonderen aus Buchhändlersicht ist immer sehr erhellend. Aber die Zahl der Fachbesucher und damit auch die der Buchhändler auf der Leipziger Buchmesse ist rückläufig. Vorbei die Tage, als vom Einzelhandel dort im großen Stil geguckt, Kinder Infrastrukturgeschmökert und geordert wurde. Stattdessen viele Schulklassen, Eltern mit Kinderwagen, händchenhaltende Senioren, Lehrer, Bücherfreaks – alle strömen sie mit mehr oder weniger Begeisterung durch die Gänge an den Messeständen der Verlage vorbei. An vielen Schulen, auch in Brandenburg, ist eine Exkursion zur Leipziger Buchmesse Pflicht. Viel gelangweilte Pausenbrotmümmler, Tütenträger mit ihren Schätzen kostenloser Aufmerksamkeiten.

Doch, doch, die Fachbesucher sind schon auch unterwegs, genutzt wird die Leipziger Buchmesse von vielen als Gesprächs- und Veranstaltungsort, so wie ich das auch tue. Ein eigener Stand lohnt sich für Willegoos nicht, Händler sind zu wenige unterwegs und einzelne Buchverkäufe, die durch die fleißigen Helfer der Messebuchhandlung inzwischen durchaus zum Kinderspiel geworden sind, stopfen das Loch nicht, das auch ein kleiner Messestand ohne Schnickschnack in die Verlagskasse reißen würde. Und ehrlich gesagt, ich finde diese Ministände in der Größe einer Toilettenkabine eher unattraktiv. Der Verlagsmensch sitzt oft – gezwungenermaßen – wie eine Spinne inmitten eines Netzes vor den Regalen, dass man kaum an ihm/ihr vorbei ins Regal greifen kann, ohne den Hütern der Bücher die Brille von der Nase zu schlagen.

leipzig-liest-logoDas Programm der auf und rund um die Buchmesse ist überwältigen: unzählige Veranstaltungen während der Messe und in der ganzen Stadt verteilt, machen die Buchmesse zu einem einzigen großen Lesefest. Immer wieder dringen beim Vorbeigehen auch Fetzen von Autorenlesungen ans Ohr, „Die Bilder sind ruhig, ein tiefer Abgrund tut sich vor mir auf …“, „Und das kleine Eichhorn hüpfte von Ast zu Ast …“. Daneben, dazwischen: Geschiebe, Geräuschpegel, Applaus. Konzentration auf Inhalte Fehlanzeige – also ich habe da keine.

Aber zurück zum Buchhändlerplausch. Nach der sündhaft teuren Plörre, die sich Kaffee Runge 1schimpft, dann hurtig weiter zum nächsten Treffpunkt: Stand der Runge Verlagsauslieferung. Ja, sowas hat Willegoos auch. Es mag ein kleiner Verlag sein, aber knapp 30.000 Bücher staple ich dann Runge 2doch nicht in der Besenkammer des Büros … Dazu gibt’s ja Profis, die nix anderes machen, als Willegoos-Kunden glücklich und Bücher versandfertig. Während des Gesprächs mit dem Geschäftsführer Herrn Seggewiß streckt immer mal wieder Herr Weitendorf vom Oetinger Verlag den Kopf über die quietschgelben Sessel, um einen aus dem Ruder gelaufenen Termin festzuklopfen. Herr Seggewiß trocken: „Ja, auf der Messe bekommt vieles eine gewisse Eigendynamik.“

Dann endlich durchstreife ich Halle 2 und finde neben vielen schönen Neuerscheinungen der anderen Kinderbuchverlage auch so interessante Dinge wie den Wunschbus, wo man sich mehr Bücherregale als der Bruder und bessere Noten in Mathe wünscht, aber auch, dass sich die Eltern bitte wieder besser verstehen sollen. (Ich wünsche von Herzen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht!)

Wunsch BücherregalWunschbus

 

 

 

 

 

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Dann ist Mittagessen mit einer potentiellen Autorin angesagt. Ein Mitmachbuch ist da schon fertig und lacht mich mit genialer Gestaltung und witzigen Ideen zum Spielen und Entdecken an. Es könnte was werden, so viel kann ich schon verraten. Jolereiduliö!

Beflügelt laviere ich mich durch die Menschenmenge zum nächsten Treff mit der Bloggerin Wenke Bönisch vom Blog „Kinderbibliothek“, von dem Willegoos erst kürzlich zusammen denBuchkönig“ für Mein Insel-Wimmelbuch Norderney verliehen bekommen hat. Mitiinitatoren dieses hübschen Buchpreises für kleine Verlage sind übrigens die Blogs Geschichtenwolke und Buchkind-Blog. Wenke Bönisch „verkauft“ mich erstmal an Caspar Armster von Buchlichter, einem Onlinehandel für Kinder-E-Books. Nee, das wird nix mit uns. Noch nicht.

Bönisch Tiarks Leipzig 2015Von der Bloggerin Wenke Bönisch erfahre ich dann mehr über das Innen- und Eigenleben der (Kinder-)Buchblogger-Szene, die gerade für kleine Verlage in dem Maße an Bedeutung gewinnt, in dem das Augenmerk der Feuilletonisten, Rezensenten, Moderatoren, allen voran aber das der Buchhändler auf den Mainstream fokussiert ist: große Verlage mit prallem Marketingportemonnaie. Da muss man sich schon strecken, um im Strom der durchschnittlich etwa 8.000 Neuerscheinungen auf dem Kinderbuchmarkt ein geneigtes Ohr und eine freundliche Schreibe zu finden.

Denn wir machen gute Bücher. Die „Indies“, eine Gruppe unabhängiger Verlage, die nicht zu großen Verlagskonglomeraten gehören, wurden auf der Messe übrigens interviewt und haben, wie ich finde, interessante Einsichten gegeben. Die Interviews kann man hier anschauen.

PantherMedia 3134507Vorbei an der Kinderbuchhandlung und dem gigantischen Gummibärchen-Colafläschchen-Mandel-Zuckerschlangen-Stand (Noch schnell was für die Schleckermäuler zuhause eingepackt. Wo gibt’s sowas sonst schon ohne Plastik in herzigen Papiertütchen? Nicht wahr?!) Richtung Ausgang. Ich laufe noch unserer Autorin Bärbel Oftring von unserer nächsten Neuerscheinung, „Ebbe und Flut“ in die Arme, die zu einer Lesung stürmt. Schön, eine Messe, auf der man sich begegnet!

Sprung

 

Dann kurz überlegt, ob ich noch Abkühlung brauche. Einen Gedanken, den ich wegen zu geringer Beckentiefe aber wieder verwerfe.

Mantel, Tür, Sturmschritt zum Bahnhof – Heimfahrt. Mit vielen Eindrücken, Aufgaben, neuen Projekten und dem guten Gefühl im Gepäck, vielen netten Gesichtern der bislang virtuellen E-Mail-Facebook-Blogger-Gemeinde begegnet zu sein.