Mit Ruhe durch den Alltag

… oder Wie Bücher Kindern helfen

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Ständig sind wir umgeben von tausenden Ablenkungen und Auswahlmöglichkeiten: sei es das Internet, seien es die unzähligen Fernsehprogramme oder alleine schon die Entscheidung vor dem Supermarktregal, welche von den gefühlt hundert Packungen Nudeln in den Einkaufskorb kommen. Wir sind gestresst und hetzen von Termin zu Termin.
Aber dieser Stress betrifft nicht nur uns, auch unsere Kinder bleiben nicht davon verschont.

under time pressure

Alltagsstress

Wer kennt das nicht? Morgens ruft die Arbeit und der Nachwuchs muss noch schnell in die Kita gebracht werden. Doch dann passiert es: Heute soll um jeden Preis der neue Teddy mitkommen. Aber wo ist der nur? Auf die Schnelle wird das Kinderzimmer durchsucht. Die Zeit drängt, die Nerven sind strapaziert und das Kind wird quengelig.
Mit etwas Glück hat sich das geliebte Kuscheltier nur unter dem Bett versteckt und ist schnell gefunden. Nun noch schnell die Jacke übergeworfen und die Schuhe angezogen, schon geht es aus dem Haus. Wir sitzen in der vollen S-Bahn oder schlängeln uns mit dem Auto durch den anstrengenden und lauten Berufsverkehr. Schließlich haben wir irgendwann unser Ziel erreicht und Sohn oder Tochter werden für die nächsten Stunden in die Hände der Erzieher abgegeben. Uff!

Kita-Alltag ist anstrengend

Nach einem vollgepackten Arbeitstag holen wir unsere Kinder wieder ab. Aber im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Also karren wir die müde gespielten Kleinen noch zum Supermarkt mit seinen vollen Regalen und dem grellem Licht. Daheim wird noch gegessen und dann heißt es auch schon ab ins Bett. Am nächsten Tag geht dann alles wieder von vorne los.

Aber was bedeutet das denn eigentlich für die Kinder?
Sie scheinen jedenfalls immer mehr zu leiden. So zeigen es zum Beispiel die stark wachsenden ADHS-Zahlen. Natürlich lässt sich darüber streiten, wie schwammig die Diagnosen oft sind, und ob es sich nicht doch nur um eine sogenannte Modekrankheit handelt. Tatsache ist, dass die Anzahl der Kinder mit Symptomen steigt.
Das merken auch die Pädagogen. Die Schüler werden zunehmend unruhiger und desinteressierter. Und dieses Verhalten zieht sich oftmals bis in die Ausbildung und noch weiter.
Aber wollen wir wirklich, dass das so weitergeht und in Zukunft womöglich sogar noch schlimmer wird? Nein!
Ruheinseln schaffen
Möglichkeiten, den Sprösslingen ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen, gibt es viele. Die einen lassen sie ruhige Musik hören, die anderen spielen zusammen.
Doch es gibt auch noch eine andere, sehr gute und schöne Methode: Bücher.

Photo of mother and little daughter. Nice cozy interior with big bookcase. Mother and daughter reading bedtime story

Bücherzeit ist schön

Egal, ob mit Wörtern oder alleine mit Bildern, Bücher holen schon die Kleinsten in der Realität ab und entführen sie in andere Welten.
Mit Buchstaben laden sie dazu ein, Geschichten zwischen den Buchdeckeln zu entdecken und den darin verborgenen Kosmos zu erkunden. Bilderbücher führen den Kleinen Szenen vor Augen und sie können selbst rätseln, wieso dies und jenes gerade passiert. Warum kauft sich zum Beispiel der ältere Herr da eine meterhohe Eistüte? Will er das etwa alles alleine essen!? Oder verstecken sich auf dem Bild vielleicht irgendwo seine Enkel?

Printmedien sind langsam. Und das ist gut so. Denn Bücher sind kein Medium für nebenher, sie verlangen Aufmerksamkeit. Während beim Fernsehen die Filme hektisch über den Bildschirm huschen und Musik Sekunde für Sekunde weiterläuft, kann das Kind hier selbst das Tempo bestimmen. Je nach Interesse kann beliebig lange auf einer Seite verweilt werden und auch Zurückblättern ist jederzeit ohne große Mühe möglich. Das Buch passt sich dem Kind an, nicht andersherum. Durch diesen ganz individuellen Rhythmus wird es zu einem großen Ruhestifter. Nichts geht zu schnell. Das Kind hat alle Zeit der Welt für sich.
So gewinnen Kinder Abstand von dem Trubel, der tagtäglich um sie herum herrscht.

Zu Büchern gehört aber noch viel mehr. Vor allem bei Kleinkindern bietet es sich an, die „Bücherzeit“ zusammen zu verbringen. Denn was gibt es Schöneres, als sich gemeinsam hinzusetzen, sich aneinander zu kuscheln und voll und ganz in diese anderen Fantasiewelten einzutauchen? In diesen Ruhepausen kommen alle zur Ruhe: Kind UND Eltern. Denn für die Kleinen sind Bücher wie Reisen, die sie mit ihren Liebsten gemeinsam antreten.

Wie lassen sich Bücher in den Alltag einbauen?
Die Faustregel lautet, sich nicht zu viel vorzunehmen. Ein realistisches Lesepensum sorgt dafür, dass kein Frust entsteht, weil das Vorhaben nicht eingehalten werden kann. Auch hier gilt das altbekannte Sprichwort „Weniger ist mehr“. Schließlich kann es schon mal vorkommen, dass gerade die Lust fehlt und andere Aktivitäten bevorzugt werden. Klappt es dann irgendwann schon sehr gut mit dem Bücherkonsum, ist für eine Steigerung noch immer Luft nach oben.

Am besten helfen ganz bestimmte Zeiten im Alltag, um Bücher einzubauen. Denn Routine kann eine große Unterstützung sein, wenn es darum geht, etwas konsequent durchzuziehen. Klassisch ist die Zeit vor dem Schlafengehen. Aber warum nicht auch mal nach dem Mittagessen? Dabei ist es aus den oben schon genannten Gründen wichtig, den Zeitplan nicht zu eng zu sehen – und sich neuen Stress zu verursachen …

Hier ein paar Ideen zur Umsetzung:

  • Abends eignen sich Gute-Nacht-Geschichten bestens, um die Hektik des Alltags zu vergessen. Auch Märchen bieten einen guten Ausgleich und laden zum Träumen ein. Bestenfalls ist das dann auch wirklich die letzte Tätigkeit für den Tag – die Zähnchen sollten also vorher schon geputzt worden sein.
  • Morgens können ebenfalls Bücher eingeplant werden. Lustige Erzählungen mit dem Thema Kindergarten oder Schule beispielsweise können die Vorfreude auf den Tag steigern. Natürlich sollte dafür aber der Wecker schon etwas früher klingeln, damit genügend Zeit bleibt.
  • Auch zwischendurch können diese Ruhepausen selbstverständlich eingebaut werden. Hat sich in der Kita oder Schule etwas ereignet, weswegen das Söhnchen oder Töchterchen aufgebracht oder traurig ist, lohnt es sich innezuhalten. Eine Trostgeschichte kann Abhilfe schaffen.

Tipp: Unkomplizierte Bücher
Welche Bücher letzten Endes den Weg ins heimische Regal schaffen, ist selbstverständlich Geschmackssache. Aber um wirklich Entspannung zu finden, empfiehlt es sich, unkomplizierte und reduzierte zu wählen. Der Grund: Das Gehirn kann einfach besser abschalten, wenn es weniger Inhalt verarbeiten muss. Man nehme ein Bilderbuch mit so vielen Darstellungen auf einer Seite, dass kaum mehr Platz frei ist. Hier herrscht regelrecht eine Reizüberflutung und es wird immer nur schnell von Seite zu Seite geblättert.
Wenn die Darstellungen dagegen schlichter gehalten sind, ist es einfacher, den Überblick zu behalten und sich auf einzelne Details zu konzentrieren. Denn kleine Kinder leben in kleinen Welten.
Diesen Gedanken nehmen wir uns auch bei Willegoos zu Herzen. Hier kommt Qualität vor Quantität, Bücher sollen guttun und Kinder unterstützen: beim Sprechen lernen, beim Ausbau kognitiver Fähigkeiten und beim Wiederaufladen der Energiereserven.

Denn in der Ruhe liegt die Kraft.

Laura Meyer