Sch….! – ‚Der Schiet und das Frühjahr‘ bei Willegoos

von Susanne Tiarks | 4. Februar 2015

WG_Cover_U1_Front_E10_1000px_RGBSie schlucken bei der Überschrift? Kann ich verstehen. Beim Titel der aktuellen Neuerscheinung (Erscheinungstermin 1. März 2015) im Willegoos Verlag stutzt fast jeder: Der Schiet und das Frühjahr von Andrus Kivirähk. Wie jetzt? Schiet? Sie meinen Sch…? Echt??

"Herr Schiet und Frau Löwenzahn begannen ein gemeinsames Leben."

„Herr Schiet und Frau Löwenzahn begannen ein gemeinsames Leben.“

Die Auswahl der Geschichten stammt aus dem 2009 im Tallinner Verlag Varrak unter dem Titel„Kaka ja kevad“ erschienenen Kinderbuch des estnischen Autors. Genau, Die Hundekacke und der Frühling. Nix zu machen, der Titel heißt so. Der Übersetzer des Textes, Cornelius Hasselblatt, hat sich auch gewunden, die Zeile gedreht und gewendet. Und so ist aus der Hundekacke dann immerhin der sympathische „Schiet“ geworden, von dem Andrus Kivirähk eine hübsche romantische Geschichte zu erzählen weiß, und den die Illustratorin Meike Teichmann so herzig ins Bild gesetzt hat.

Der Schiet und das Frühjahr ist dabei in der (Kinder)Literatur in bester Gesellschaft. Denn, wer kennt sie nicht, Werner Holzwarths Geschichte „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ – ein herzerfrischendes Kinderbuch, das sich seit seinem ersten Erscheinen 1989 ungebrochen großer Beliebtheit erfreut, in mehr als 27 Sprachen und sogar in Blindenschrift übersetzt wurde und eine Auflage von etwa 3 Millionen Exemplaren erreicht hat (Quelle: Wikipedia). Und für denjenigen, der sich bei der Bestimmung der braunen Pracht, in die er vielleicht gerade hineingetreten ist, nicht sicher ist, für den gibt es doch tatsächlich Abhilfe: „Wer war das? Ein Bestimmungsbuch. Alles über Hundehaufen, Pferdeäpfel, Hasenkötel & Co.“ Für die wirklich Interessierten gibt es dann noch eine ganz ernsthafte kulturgeschichtliche Betrachtung: „Dunkle Materie: Die Geschichte der Scheiße“. Selbst Goethe hat sich mit „Nicolai auf Werthers Grabe“ mit dem Stoff befasst (nachzulesen beim Museum für Scheiße). Man sollte es nicht glauben. Also haben wir uns ein Herz gefasst und den Titel auch nicht verändert. Goethe!

"Ahaaaa!", brüllte da der Löffel und stürzte sich kopfüber in die Suppe. - Seeräuber Löffel aus "Der Schiet und das Frühjahr"

„Ahaaaa!“, brüllte da der Löffel und stürzte sich kopfüber in die Suppe.

Urkomisch wie die Titelgeschichte sind auch Andrus Kivirähks andere Geschichten von ganz alltäglichen Dingen und Wesen, die plötzlich beginnen, ein recht abenteuerliches Eigenleben zu führen. Papas lange vergessene Socken legen unter dem Bett ein Ei, ein gelangweilter Löffel wird zum Seeräuber, der eine Suppe überfällt, und eine bei der Ernte vergessene Kartoffel gründet mit recht ungewöhnlichen Mitgliedern eine umjubelte Band im Untergrund. Eine schöne Sammlung von vierzehn durchgehend bebilderten hinreißend schnurrigen Geschichten mit überraschendem Ausgang zum Lachen und Schmunzeln.

Andrus Kivirähk

Der estnische Erfolgsautor Andrus Kivirähk

Zum Lachen sollen Andrus Kivirähks Geschichten sein, fantastisch und immer mit Happy End. Im Jahr 2012 sagte er: „In der Kinderliteratur sollten die merkwürdigsten und fantastischsten Charaktere das Sagen haben. Genug mit Teddys, Feen und Häschen! Ich habe Geschichten über einen romantischen Hundehaufen geschrieben, über einen hinreißenden Hotdog, eine verrückte Jacke, ein kleines Mädchen, dessen bester Freund der Wurm in ihren Eingeweiden ist, und über viele andere bizarre Kreaturen. Was mir an Kinderliteratur so großen Spaß macht, ist, der Fantasie freien Lauf lassen zu können. Beim Schreiben sollte man fröhlich sein, ebenso aber auch die Mütter und Väter, die ihren Kindern aus meinen Büchern vorlesen. Ein wirklich gutes Kinderbuch ist universell und wird von Generation zu Generation weitergegeben.“

 

Nun, dem ist nichts hinzuzufügen. Möge Der Schiet und das Frühjahr ein Buch sein, das die Herzen und Bücherregale unserer Kinder und Kindeskinder bereichert. Ich wünsche viel Vergnügen beim Vorlesen, Bilder gucken und eigene Geschichten spinnen.