Von Urlaub, „echtem Meer“ & Haien in der Nordsee

von Susanne Tiarks | 15. Juli 2015

Wunsch …

Strandbild_Blog

… und (noch) Realität
Willegoos Schreibtisch Sommer 2015

To-do-Stapel von heute

Meerfantasien im Büro

Ich gebe es zu – ich wäre jetzt gerne am Strand. Im Strandkorb fläzen, in die Sonne blinzeln, die Brille auf der sonnencremerutschigen Nase hochschieben und Fettflecken in meinen Schmöker machen, der gar nix mit Fachliteratur der Buchbranche zu tun hat … Auf jeden Fall weit genug von den Arbeitsstapeln entfernt, die mich noch von der Sommerpause trennen.

Ja, rede ich mir gut zu, ist gar nicht mehr lange, nächste Woche noch und den Rest von dieser. Heute ist bei unseren Teenagern schon Zeugnistag. Nicht mehr lange, dann geht’s los.

An die Ostsee mal wieder, Meer muss sein. Auch wenn meine bessere Hälfte der Auffassung ist, die Ostsee sei kein „richtiges“ Meer: nicht genug Salz, keine richtigen Gezeiten, kein Schlick – es riecht einfach nicht richtig. Man muss wissen, er ist ein echter Nordseebursche, in „Schlicktown“ geboren, benannt nach einem berühmten Ostfriesenhäuptling (echt!) und richtig, richtig glücklich ab Windstärke 5 auf dem Deich. Ich, die ich nach 14 Umzügen quer durch die Republik einen Langzeitlebensschwerpunkt in Süddeutschland im biografischen Gepäck habe, liebe die Berge UND das Meer. Nur Wind muss nicht.

Nun, die interessanten Städte, die wir besuchen wollen, liegen aber eben alle an der Ostsee: Tallinn (mal wieder), St. Petersburg, Helsinki, Stockholm … Das wird spannend. Meer gucken, Kopf freipusten, Platz machen für neue Ideen, Kräfte-Akkus aufladen – herrlich!

Und so lese ich mich im heimischen Strandkorb im Garten in Urlaubsstimmung, arbeite jeden Tag geduldig meine Stapel ab und erfreue mich der Potsdamer Wasserlandschaft – als Vorgeschmack sozusagen.

Havelfreuden

Havelfreuden

Meerfantasien für Lütte

Wimmel-Wundertüte SyltUnd wer noch später als wir Brandenburger in die Sommerpause geht und für die Lütten ein wenig Urlaubsvorfreude gebrauchen kann – Unter DOWNLOADS kann man auf der Willegoos-Webseite die Malvorlage des Strandbilds von Magdalene Hanke-Basfeld aus „Meine Wimmel-Wundertüte Föhr“ bzw. „Meine Wimmel-Wimmel-Wundertüte FöhrWundertüte Sylt“ herunterladen.

 

 

 

Und als Gute-Nacht-Geschichte hier noch eine Erzählung von Stefanie Byl, ebenfalls aus den Nordsee-Wimmel-Wundertüten. Da geht es um vermeintliche Haie in der Nordsee. Nee, nee, keine Sorge. Dennoch lebt hier das größte Raubtier Deutschlands: die Kegelrobbe. Wer hätte das gedacht. Lesen kann man jetzt exklusiv hier. Viel Spaß beim Malen und Vorlesen!

Bevor Willegoos abtaucht, gibt’s noch ein Winke-Winke. Bis dahin Ahoi! Und genießt den Sommer.

Was lebt in der Nordsee?

von Stefanie Byl

An diesem Morgen ist Felix mit Mama alleine zum Strand gegangen. Papa hat sich mit Tom und Maja auf den Weg zum Hafen gemacht, um Oma von der Fähre abzuholen. Felix freut sich, dass Oma sie für ein paar Tage auf ihrer Ferieninsel besucht, aber heute ist es schon morgens so warm und außerdem gerade Flut, da möchte er lieber gleich in der Nordsee baden gehen.

Mama hat einen schönen Strandkorb gemietet, da kann sie sich gemütlich sonnen und in ihrem Buch lesen, während Felix mit den anderen Kindern spielt. Und auch wenn Tom und Maja nicht dabei sind, gibt es hier eine Menge Kinder. Gleich nebenan steht ein Strandzelt das einer großen Familie gehört. Ein Junge in Felix´ Alter guckt schon neugierig herüber, als Felix seine Mama fragt: „Du, Mama, gibt es in der Nordsee eigentlich auch Haie?“ „Haie?“, frage Mama verwundert zurück. „Nein, natürlich nicht. Sonst könnte man hier doch nicht baden, das wäre ja viel zu gefährlich!“

Och, schade“, meint Felix enttäuscht. „Ich hätte gerne mal einen echten Hai gesehen. Dann gibt es hier wohl auch keine Piranhas, oder?“ Nun muss Mama lachen: „Nein, ganz bestimmt nicht. – Wie kommst du bloß auf Piranhas?“ Felix zuckt mit den Schultern: „Weiß´ nicht. Hätte ich einfach cool gefunden …“ Er wirft einen Blick zu den Kindern nebenan und sieht den anderen Jungen grinsen. Vorsichtig grinst Felix zurück. „Der sieht nett aus“, denkt er, „vielleicht können wir ja nachher zusammen spielen.“

Aber weil es hier nun mal keine coolen Haie und Piranhas gibt, könntest du doch jetzt eine Runde schwimmen gehen“, schlägt Mama vor, und Felix ist sofort einverstanden. Er kann schon gut schwimmen, trotzdem ermahnt ihn Mama: „Denk daran, das ist das Meer und kein Schwimmbad. Hier gibt es Strömungen, die dich wegtragen können, also schwimm nur da, wo du noch sicher stehen kannst. Geh nicht zu weit ins Wasser und bleib da, wo ich dich sehen kann.“ Felix nickt: Das weiß er schon. Als er sich umgezogen hat, sieht Felix, dass der Junge von nebenan verschwunden ist. Vielleicht ist er ja auch im Wasser?

Felix stürzt sich ins Meer und strampelt kräftig, um die Kälte zu vertreiben – ein herrliches Gefühl! Doch was ist das? Ein paar Meter neben Felix ragt etwas aus dem Wasser: dunkel, nass und dreieckig … Eine Haifischflosse! Felix erschrickt: Gibt es hier etwa doch Haie? Gerade will er Richtung Strand flüchten, da kommt ihm etwas komisch vor.

Unter der Flosse gluckert es und der Junge vom Strandzelt nebenan taucht auf! Er wischt sich das Wasser aus den Augen und kichert: „Huuh, ich bin ein Hai! – Hab‘ ich dich reingelegt?“ Er wedelt mit seinem dreieckigen Holzbrett, das er als Flosse aus dem Wasser gehalten hat. Felix muss auch kichern: „Ja, hast du“, gibt er ehrlich zu. „Einen Moment jedenfalls!“

Na ja, Haie gibt es hier nicht“, stellt der Junge fest und wirft das Brett hinter sich. „Zum Glück. Ich heiße Björn, und du?“ „Felix“, sagt Felix und freut sich, dass er einen Freund gefunden hat. „Ich mache hier Urlaub. Mit meinen Eltern und meinem Bruder und meiner Schwester. Du auch?“ „Nein, ich wohne immer hier auf der Insel.“ „Super“, freut sich Felix, „dann kennst du dich ja aus. Was lebt denn so im Meer, wenn es hier keine Haie gibt?“

Andere Fische“, erklärt Björn bereitwillig. „Aber die siehst du nicht, weil sie Angst vor dir haben. Aber wenn du Glück hast, kannst du manchmal einen Seehund sehen. Die sind ziemlich neugierig. Oh, und natürlich Quallen. Die schweben im Wasser, das sieht toll aus. Aber den roten Quallen kommst du besser nicht in die Quere, das sind Feuerquallen. Wenn sie dich mit ihren Fäden berühren, brennt es heftig, und sie können weiter reichen, als man denkt. Aber die meisten Quallen sind harmlos. Sie werden von der Flut auf den Strand gespült. Meine Schwestern spielen immer, die Quallen wären Pudding und verkneten sie mit Sand – widerlich!“ Auch Felix rümpft die Nase: „Igitt! Was sagt denn deine Mama dazu?“ Björn winkt ab: „Sie ist es gewohnt … Krabben und Krebse gibt es übrigens auch. Guck mal, da ist ein Taschenkrebs!“

Die Jungen stehen im knietiefen Wasser und neben ihnen läuft ein großer Krebs – seitwärts. „Der läuft aber komisch“, staunt Felix. „Die laufen alle so“, weiß Björn. „Deswegen nennt man sie auch Dwarslöper, Dwaarslooper oder so ähnlich, je nachdem, welches Plattdeutsch gesprochen wird. Aber es bedeutet immer das Gleiche, nämlich Querläufer. Wenn du einen fangen willst, brauchst du einen Kescher, sonst zwickt er dich mit seinen Scheren.“ Vorsichtig versucht Björn, den Krebs von hinten zu packen, doch der dreht sich so blitzschnell um, dass Felix zusammenzuckt. „Das ist seine Verteidigungsposition“, erklärt Björn. „Siehst du, wie er seine Scheren hebt? Da möchte ich keinen Finger drin haben. Komm, wir gehen lieber spielen!“

Sie rennen zurück zum Strandkorb, und Felix hilft Björns Schwestern dabei, Björn so weit im Sand einzugraben, dass nur noch sein Kopf herausguckt. Das sieht lustig aus! Felix´ Bauch kribbelt vor Lachen. Björn lacht auch: „Ich kann mich gar nicht mehr bewegen. Und die Sonne ist so heiß, holt ihr mir etwas Wasser aus dem Meer?“ Begeistert laufen die Schwestern mit ihren Eimern los: „Björn duschen, wir dürfen Björn duschen“, singen sie fröhlich. Björns Mutter ruft hinterher: „Nur Wasser, ja? Keine Quallen, das ist ekelig!“ Björns Kopf wird mit Meerwasser abgekühlt, und als sie den ganzen Björn wieder ausgebuddelt haben, gehen die Kinder noch mal schwimmen, damit Björn den Sand wieder loswird.

Auf dem Rückweg zu Mama findet Felix die Holzbrett-Flosse von vorhin. Er nimmt sie mit und vergräbt sie heimlich neben seinem Strandkorb. Vielleicht kann er die noch mal gut gebrauchen, zum Beispiel nachher, wenn er mit Papa und Tom baden geht … Felix lächelt.