WENIGER IST MEHR

Guntje

von Susanne Tiarks | 8. Januar 2015

… oder Warum die Wimmelbücher von Willegoos eher aufgeräumt sind

Das neueste Willegoos-Wimmelbuch, „Mein Stadt-Wimmelbuch Leipzig“  von der Illustratorin Anna Laura Jacobi, ist im Herbst 2014 erschienen und wurde im November 2014 freundlich beim Leipziger Blog weltnest in der Rubrik ‚Kind & Kegel‘ besprochen. Maike Steuer wunderte sich hier über die aufgeräumten Illustrationen und stellte so ihre Vermutungen dazu an:
Beim ersten Durchblättern fällt mir auf: Es wimmelt nicht so stark, wie ich es aus anderen Exemplaren kenne. Raum zur freien Interpretation oder liegt der Mut zur Lücke vielleicht dran, dass der Verlag die Anzahl der Menschlein im Buch proportional zur Stadtbevölkerung halten wollte und wir eben weniger sind als die Berliner oder Kölner?
Stimmt schon, im Vergleich von Geburtenzahl zu Einwohnerzahl liegt Leipzig prozentual nur etwa bei der Hälfte von Köln oder Berlin (Vergleiche bei Deutschland123). Und Berlin hat mindestens drei (volle) Wimmelbücher und auch die Kölner können mit mehreren aufwarten, sogar einem für die 5. Jahreszeit, in der übrigens statistisch betrachtet sehr viele Kinder auf den Weg gebracht werden … Aber nein, das ist nicht der Hintergrund für die relative Übersichtlichkeit.

  • Reizüberflutung vs. Ruhe | Ich habe beobachtet, wie vor allem sehr kleine Tüdis von sehr vollen Wimmelbildern überwältigt sind. Ist ein Element zu suchen, scannen sie das Bild (im besten Fall), finden was auch immer, schlagen die nächste Seite auf, scannen – finden – umschlagen usw. Und zu. Ich finde aber, das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuchs hat viel mit Ruhe und zur Ruhe kommen zu tun. Und tut Kleinen wie Großen gleichermaßen gut.
  • Sprechen (lernen) macht Spaß | Die Philosophie hinter den Willegoos-Wimmelbüchern ist neben der Absicht, Bilder in Ruhe zu betrachten, Dinge zu benennen, kleine Szenen zu erfassen und darüber ins Gespräch zu kommen. Dazu muss nicht jeder Millimeter mit Figuren vollgepfropft sein. Da ist beispielsweise eine Mama zu sehen, und auf dem Weg liegt ein Schnuller, den das Kind aus dem Kinderwagen, den sie schiebt, verloren hat. Und sie merkt es nicht. Was für eine kleine Katastrophe!
    Oder der Fischkutter auf dem Hafenbild von „Mein Insel-Wimmelbuch Norderney“. Da findet sich doch tatsächlich eine Meerjungfrau im Heck. Das Frau Kapitän das irgendwie nicht komisch findet, was ihr Gatte da an Bord hat, ist dann wieder eher ein Spaß für die Erwachsenen. Die sollen ja auch auf ihre Kosten kommen, denn Wimmelbücher schaut man ja schließlich gefühlt 250 Mal mindestens an, da muss ein Augenzwinkern hier und da schon sein.

WBN Aus: „Mein Insel-Wimmelbuch Norderney“ – Joachim Krause

WBS Aus: „Mein Stadt-Wimmelbuch Stuttgart“ – Johanna Fritz

WBR Aus:„Mein Insel-Wimmelbuch Rügen“ – Marc Robitzky

Sprechen lernen macht richtig Spaß und braucht Qualität statt Quantität als Anregung. Neben den ersten Worten werden alle Eltern sicherlich auch noch die herrlichsten Verballhornungen ihrer Sprösslinge im Kopf haben. So heißen bei uns Luftballons immer noch „Loppaloms“ und die Tante hat ihren Spitznamen „Tatta“ bis heute weg.

      •  Konzentration will gelernt sein |Die Fähigkeit zur Konzentration – d. h. ein hoher Grad von Aufmerksamkeit, die auf eine bestimmte Tätigkeit gerichtet ist – ist nicht von Geburt an vorhanden, sondern entwickelt sich mit zunehmender Reife. Je jünger das Kind, desto kürzer sind die Konzentrationsphasen. Ein etwa sechsjähriges Kind kann sich durchschnittlich etwa 15 Minuten konzentrieren. Wimmelbücher lassen sich schon ab 1 ½ bis 2 Jahren erkunden. Da ist es mit der Konzentration noch nicht weit her. Mit Bilderbüchern wird das Konzentrationsvermögen ganz nebenbei geübt. Und fühlt sich gar nicht so pädagogisch wertvoll an, wie es klingt.

Die größte Kraft der Welt

„Die größte Kraft der Welt ist das Pianissimo“, so wird Maurice Ravel zitiert. Ja, laut ist es heute überall, schrill und grell und schnell. Heute schon mal Ruhe gehabt? Kraft geschöpft? Kinder und Eltern brauchen das sicherlich gleichermaßen und vielleicht mehr denn je. Nun, welches Buch könnte denn heute mal beim Kuscheln angeguckt werden? Schauen wir doch mal ins Regal.